Auf zu neuen Ufern

Am elften November 1969 nehmen Black Sabbath innert 12 Stunden Ihr erstes Album auf (Erschienen 1970 auf – Albumtitel „Black Sabbath“). Praktisch Live eingespielt, überlassen Sie die Abmischung der Aufnahmebänder dem Soundtüftler Rodger Bain. Schon tags darauf sind Sie auf der Fähre über den Kanal auf der Reise in die Schweiz, wo Sie in Zürich ein Engagement antreten sollen.

Jim Simpson ist damals der aktivste Musikmanager Birminghams und vermutlich auch der Hauptakteur, der weiteren Bands aus den West Midlands den Weg nach Zürich weist.

 

Zürich 1969, eine kleine Zeitreise: Es ist November – der Herbstwind lässt erdige Blätter durch die Gassen treiben. In den stets schattigen, kühlen, engen Gassen der Zürcher Altstadt werden die Mantelkrägen hochgestellt, die Hüte ins mürrische Gesicht gezogen und die Maronistände künden mit dem süssdumpfen Geruch der aus ihren Öfen über die Plätze strömt den bevorstehenden Winter an.

 

Das Hotel Hirschen durchlebt die Blütezeit des Niederdorfs als Melange aus Greenwich Village, Montmartre und Reeperbahn. Ein buntes Treibhaus auf einer Insel, prall gefüllt mit verheissungsvoller Aufbruchstimmung, trunken vor Euphorie auf Veränderung, mit der Limmat als Schützengraben gegen das biedere Zürich anno 1969. Der triste Züricher Herbst im Kontrast zum pulsierenden Nachtleben – die verkaterte Hure mit Ihrem unzufriedenen Zuhälter, deren Kundschaft und die revoltierende Zürcher 69er-Jugend. Das Nachtleben, die gefährliche Welt in welche das Niederdorf bei Abenddämmerung eintaucht, diese Verwandlung, hat etwas vom legendären „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“-Epos und trieft vor dunkler Inspiration.

 

Die vermeintlich heile Welt des schweizerischen Spiessbürgertums, im Kontrast zu den brodelnden Studentenunruhen und zum Verlangen, sich Gehör zu verschaffen, dem Verlangen, nach einem Ventil, dass geradezu idealer Näherboden für den sechswöchigen Aufenthalt der britischen Rockformation ist.

Der schweizer Beitrag zum Eurovision-Song-Contest 1969 vs. Die Jugendunruhen der 68er in Zürich

Der Hirschen-Club im Hotel Hirschen

Der Hirschen-Club ist im Erdgeschoss des Hotel Hirschen eine feste Grösse beim Zürcher Musikfan anno 1969.

Auch als „Beat-Club“ bekannt, ist er bei englischen Musikern und im Speziellen, bei Bands aus Birmingham eine äusserst beliebte Anlaufstation für einen ersten Auslandstrip. Teilweise stehen die Bands Schlange, fahren mit Ihren Bandwagen unangemeldet vor, in der Hoffnung, sie könnten eine dieser Auftrittsreihen ergattern. Schweizer Bands halten sich vom Hirschen-Club fern. Die Bedingungen der Auftritte sind untragbar. Die Besitzerfamilie Schwarzwald patriarchalisch und streng. Den Bands werden jeweils die Pässe abgenommen und es herrscht eine Ambiance der modernen Sklaverei – Kost und Logis reichen zur Wiedergutmachung gegen die knüppelharten Arbeitsbedingungen nicht aus. Die Bühne gleich links vom Eingang, einige Meter gegenüber der Bar, die auf der rechten Seite thront. Man wohnt gleich über dem Lokal zusammengepfercht in einem Raum.

 

Das Engagement umfasst sechs Wochen mit täglich 7 Blöcken à 45 Minuten, beginnend um drei Uhr Nachmittags. Unter dem Strich ergibt das an die 200 Stunden Live-Proben in Zürich – ein Konzert das ununterbrochen eine Woche lange dauert. Man bedenke, dass Sabbath danach Jahrelang nie mehr diese Zeit hatten, um dermassen konstant, an neuen Ideen zu feilen und Songstrukturen auszubauen – ohne den Druck eines Labels das ein neues Album erwartet, sondern nur, weil man das Beste aus der Situation machen musste. Ihr Konzept, dass schon in Birmingham Gestalt angenommen hat, wird in Zürich endgültig zum Meisterstück, zum musikhistorischen Ereignis vollendet. Die losen Ideen welche Sie nach Zürich mitgebracht hatten, werden zu einem fixen Konstrukt zusammengeführt.

Ozzy Osbourne fragt nicht umsonst 2011 in einem Interview gegenüber dem RockSpecial auf dem Schweizer Radiosender DRS3 „Isn’t the Hirschen-Club there anymore!?“ und ergänzt „We used it to rehearse!“.

 

Die Bedingungen sind wie geschaffen, zur Enthüllung dieses schwarzen Nordsterns, der Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen einen Anhaltspunkt und Orientierung gibt.

Das Publikum im Hotel Hirschen anno 1969 erweist sich als perfektes Gemisch aus Kritikern und Herausforderungen – von den Zuhältern und deren Dirnen, bis zu den Freiern, von den Studenten die Revolutionen anzetteln wollen, bis zu den Junkies und Säufern. Es gleicht einer Feldstudie und die Pausen zwischen den Blöcken, eignen sich hervorragend für das unmittelbare Feedback des Publikums und die Schlüsse daraus in eine kurzen Manöverkritik zu verarbeiten.

 

 

Wie in Zürich ein Grundstein des Heavy-Metal gelegt wurde

Aufgrund des mangelnden Repertoires der jungen Band – man muss täglich fünf Stunden live spielen – versuchen Black Sabbath diese Marathondistanzen mit Solo-Einlagen der einzelnen Musiker zu überbrücken. Analog eines Interviews im Rolling Stone Magazin, gemäss Gesprächen mit Zeitzeugen und aufgrund der diversen offiziellen Statements in der Biographie von Tony Iommi, sowie den Booklets der Deluxe-Versionen des Paranoid-Albums, wurden jedoch jegliche Solo-Einlagen vom Besitzer Dr. Schwarzwald, einem kleinen vehementen Wirbelwind mit Hang zu cholerischen Wutausbrüchen, strikte verboten. Durchgesetzt und überwacht von seiner Tochter Trudy Schwarzwald, welche die Bardame machte und von Ihrer Wirkungsstätte frontal und gerade mal fünf Meter entfernt keiffte:„No Drum-Solos!“.

Ohne die Schlagzeugsolos drohten Sie aufzufliegen.

Ihr Repertoire war schlicht noch zu kurz und stand im Kontrast zu den Anforderungen.

So versteckten Sie das Schlagzeugsolo in Jam-Sessions. Sie spielten munter drauf los und retteten sich so über die Runden.

Als niemand die Jam-Sessions entlarvte, bot sich Ihnen die fantastische Möglichkeit, diese ewig anmutende Zeit in Zürich zu nutzen und an Songs zu feilen.

So muss es einigen erlauchten Gästen vergönnt gewesen sein, bei der Entstehung einiger der berühmtesten Songs der härteren Rockgeschichte, quasi bei der Zeugung und der Geburt zugegen zu sein.

 

Die Spirale „Aus der Not eine Tugend machen“ dreht sich um die vier Jungs aus Birmingham weiter: Ausgelöst durch die Handverletzung Iommies, fortgesetzt durch den Horrorfilm-Zyklus von Boris Karloff und endgültig zum Orkan entfacht, durch das Zürcher Gastspiel inkl. den Weisungen und harten Arbeitsbedingungen der Besitzerfamilie Schwarzwald.

Mitten in diesem Orkan, im Auge des Sturms entpuppt sich ohne grosses Primborium nach und nach eines der grössten Monster der Rockgeschichte, es entsteht der bahnbrechende Song „War Pigs“.

 

Bis kurz vor den Aufnahmen zu Ihrem zweiten Album „Paranoid“ (erschienen 1970 auf Vertigo) hiess der Song noch „Walpurgis“ und beschäftigte sich ausschliesslich mit Hexenkulten. Aufgrund des aufflammenden Vietnam-Krieges entschied sich der für die Songtexte zuständige Bassist Geezer Butler, den Song umzuschreiben und verwandelte Ihn in einen der musikalisch betrachtet, deutlichsten Anti-Kriegssongs. Textlich erinnert die zweite Zeile der ersten Strophe an den ursprünglich geplanten Song über die Walpurgis-Nacht „Just like witches at black masses“ / „Ganz wie Hexen an schwarzen Messen“.

Der Song ist aus dem musikalischen Standpunkt betrachtet ein Kriegsfeld.

Vom Intro, dass wie unheilvolle Nebelschwaden vor einem Kampf über ein Schlachtfeld zieht. Das Schlagzeug mit dem klicken einer Zeitbombe aus Bronze. Kurze Detonationen und dann setzt die Stimme von Ozzy Osbourne ein. Es mutet an, als würde der Iron Man persönlich aus lauter Wut über die Menschheit durch ein Medium namens Ozzy Osbourne das Schlachtfeld aufräumen.

Ein Song, der für einen Musik-Fan einen prägenden Effekt auf das fotografische Gedächtnis hat, wie die Mondlandung oder den Fall der Mauer – die Meisten erinnern sich detailgetreu an diese Momente.

In einem Jahr erschienen, als gerade erst die letzten Takte der FlowerPower-Songs ausklingen - es ist, als wäre man an der Pariser Automobilausstellung 1923 mit einem Ford Mustang V6 aufgetaucht. 

 

Man kann nur vermuten, ob diese Songs entstanden wären, ohne diese 200 Stunden andauernde, unmittelbare Art, Songs zu schreiben, quasi in einem Proberaum samt Publikum eingekerkert zu sein, gezwungen, das Potential voll und ganz auszuschöpfen.

 

Aus einigen Quellen war zu erfahren, dass Sabbath zu dieser Zeit auch in St. Gallen sechs Wochen gespielt hätten (Biographie Tony Iommi, Interview Ozzy Osbourne) - zum Einen wäre das von der Zeitspanne nicht möglich gewesen - Aufnahmen am ersten Album zu Ende Mitte November, danach in die Schweiz; nächste verbriefte Daten, Konzerte in und um Birmingham im Januar 1970 - zum Anderen konnte ich bei der Africana-Legende DJ Johnny Lopez nachfragen und der konnte zwar bestätigen, dass Sabbath damals im Africana spielten, aber: "...Leider gibt es keine Fotos. Gespielt haben Black Sabbath drei Tage am Nachmittag 16.00 und am Abend 20.00. Die haben so laut gespielt, dass es Reklamationen gegeben hat und sie am vierten Tag nicht mehr spielen durften..."

 

 

 

Auszug aus dem Booklet zur Deluxe Edition des Paranoid-Albums.

Black Sabbath „Paranoid“

Allmusic's Steve Huey cites Paranoid as "one of the greatest and most influential heavy metal albums of all time", which "defined the sound and style of metal, more than any other record in history" and Ben Mitchell of Blender calling it "the greatest metal album of all time". 

 

Es gibt kaum ein zweites Album wie das Album „Paranoid“ von Black Sabbath, dass in der Rockgeschichte dermassen für Furore sorgte – vor Allem im nach hinein betrachtet, unter Berücksichtigung von Ursprung und Wirkung, gleicht das Album einer Revolution, einem Urknall dessen Nachhaltigkeit je länger je grösser wird.

 

Das Album sollte ursprünglich sogar auf den Namen des in Zürich entstandenen Songs "War Pigs" getauft werden. Das Albumcover zeigt einen in Pink und Orange kostümierten Samurai-Krieger der aus einem Wald heraus angreift – was dem ursprünglichen Konzept durchaus entsprechen würde. Aufgrund des laufenden Vietnamkrieges und dessen immenser Kontroverse, entschied sich die Plattenfirma jedoch kurz vor der Veröffentlichung, den Namen "War Pigs" durch "Paranoid" zu ersetzen (den Song, den Sabbath kurz vor Ende der Aufnahmen aus dem Boden stampften und das meiste Hit-Potential hatte). Der neue Titel des Albums, gab dem Antlitz dieses wutentbrannten rosa Samurais eine ganz andere Aussage.

Und doch entscheidet man sich, den Song War Pigs an die erste Stelle des Albums zu setzen - entsprechend ist es der erste richtige Heavy Metal Song den die meisten Menschen zu Gehör bekommen. Es unterstreicht wiederum, welcher musikhistorischen Bedeutung dieser Song zukommt.

 

 

Hamburg hat die Beatles, aber Zürich hat Black Sabbath

Spricht es für die Schweizer Bescheidenheit, dass diese Aussage nicht an die grosse Glocke gehängt wird? Nicht auf der Homepage von Zürich Tourismus in markigen Lettern erstrahlt, drückt man die Sparte Kultur & Geschichte an? Oder ist es für Zürich in etwa so beschämend, als würde Transsilvanien um Graf Dracula verlegen sein? Warum sollte es weniger interessant sein, dass die Beatles in Hamburg spielten, bevor Sie berühmt wurden? Die Beatles sind die grossen Wegbereiter der Popmusik – auch Black Sabbath, insbesondere Ozzy Osbourne, sind bekennende Beatles-Fan. Aber im Gegensatz zu den Beatles, haben Black Sabbath einige ihrer wichtigsten Songs in Zürich geschrieben. Mit Verlaub, herzliche Grüsse nach Hamburg, aber der Impakt der in Zürich stattgefunden hat, ist beileibe ebenbürtig.

 

Zur Geschichte von Zürich.

Meines, zugegebenermassen nicht sehr objektiven Erachtens nach, gehört kein Wort über Lenins Anwesenheit im Niederdorf verloren, müsste Stillschweigen über Gottfried Keller oder Max Frisch bewahrt werden, so lange es nicht die Vögel von den Dächern pfeifen, dass Black Sabbath hier, mitten in Zürich, den Grundstein des Heavy Metal aus dem Boden gestampft haben und genau dieses Monument der Rockgeschichte sich in den Gemäuern des Hotel Hirschen verewigt findet.

Solange man sich nicht bewusst macht, dass anno 1969 vier 20jährige Jungs aus Birmingham – Tony Iommi, Ozzy Osbourne, Bill Ward und Geezer Butler – auf dem Hirschenplatz gestanden haben und im Begriff waren, den bedeutendsten Urknall der Rockgeschichte zur Detonation zu bringen und ein massiver Anteil dieser Sprengkraft, in unserem Niederdorf entstanden ist, solange ist die stolze Kulturgeschichte unserer Stadt noch im Entwurf und unter Verschluss zu halten.

Der beflissene Leser erkennt die pure Provokation in diesen Worten - es ist der euphorisch entsetzte Aufschrei nach Erkennung dieser geschichtsträchtigen Momente.

 

 

Ursprung und Wirkung

Nach der Rückkehr aus der Schweiz vergehen nur noch wenige Tage, bis Ihr Erstlingswerk „Black Sabbath“ am Freitag den 13. Februar 1970 auf Vertigo veröffentlicht wird.

Mit dieser Veröffentlichung zünden Sie die Lunte an, entfachen Sie den Countdown in ein neues Zeitalter der Rockmusik – jene, welche die zischende Lunte bemerkten, erkannten sofort, dass sich hier eine alles verändernde Explosion anbahnen könnte.

Ein halbes Jahr später, nach einer einzigen rastlosen Tour, werden Sie das Zweitlingswerk „Paranoid“ aufnehmen – gespickt mit Songstrukturen, die im Hirschen Gestalt angenommen haben und nun in wegweisenden Songs wie „Hand of Doom“ „Fairies wear Boots“ „Electric Funeral“ oder „Planet Caravan“ verewigt würden und bewaffnet, mit einem der charakteristischsten und grundlegendsten Rocksongs aller Zeiten: WAR PIGS.

 

Möchte man einer Sache auf den Grund gehen, überprüft man automatisch Ursprung und Wirkung. Natürlich wären in diesem Fall rein analytisch betrachtet, der Erfinder der Gitarre, der Erfinder der elektrischen Gitarre oder der Erbauer der Stahlstanzmaschine zu würdigen. Aber nur mit einem schnellen Rennauto, ist das Rennen noch lange nicht gewonnen. Somit gebührt die Ehre den vier Herren aus Birmingham, allen voran dem Gitarristen Tony Iommi.

Die Wirkung dieses Ursprungs "Tony Iommi & Black Sabbath", ist ein Musikgenre, dass Abermillionen Jugendlichen Seelenbalsam bietet – und zwar in einer Form, die schneller einwirkt, als intravenös verabreichte Schmerzmittel. Es ist ein befreiendes Ventil, dass einmal angesetzt, verstörend erleichternd wirkt. Nicht umsonst ist die Liebe zum Heavy Metal keine Sommerliebe oder entsteht aus einer Laune heraus, die dann auch wieder vergeht - niemand sagt, „Erinnerst Du dich an den Sommer 1986? Da hörten wir doch mal Metallica!“.

 

 

Wie würde die Welt ohne diesen Urknall aussehen?

Millionen von Jugendlichen hätten ihre aufflammenden Gefühle nicht durch die Macht der Musik verstanden gefühlt. Natürlich könnte man sich darauf berufen, dass auch ohne Black Sabbath die härtere Rockmusik einen Siegeszug nach dem Anderen gefeiert hätte, was insofern sicherlich korrekt ist. Aber dank Tony Iommi’s notgedrungenem Reduzieren auf den Powerchord ist er in der Vorreiterrolle schlechthin – der Wegbereiter, der, welcher den Stein ins Rollen brachte und die tosende Lawine auslöste.

Höchstwahrscheinlich wäre die Rockmusik durchtrainiert wie ein klassisches Opus. Deep Purple wären wohl mit an der Speerspitze. Erstickt an Perfektion hätten sich nicht diese Legionen an autodidaktischen Musiker an die Gitarre gewagt. Diese unmittelbare Durchschlagskraft, dieser „intravenöse“ Effekt, ginge der Rockmusik verloren.

 

Während auf der einen Seite der Nordstern Black Sabbath am Musikhimmel aufging, verkam auf der anderen Seite das Hotel Hirschen in den 70ern immer mehr zu einer Räuberhöhle. Razzien waren an der Tagesordnung und aus Polizeikreisen hiess er gar, dass das Hotel Hirschen immer dann gut war, wenn nichts anstand, weil man dort immer einen Dealer hochgehen lassen oder ein krummes Ding in der Entstehung abwürgen konnte.

 

So musste die Besitzerfamilie Schwarzwald Mitte der 80er Jahre Konkurs anmelden. Was auch gleich die Frage beantwortet, wieso und weshalb die Familie Schwarzwald alle Unterlagen, Erinnerungsstücke und jeglichen Nachlass aus den goldenen Jahren vernichtete. Musikhistorisch gesehen beinahe ein Frevel. Aber als „Akt der Verzweiflung“ am Rande des drohenden Ruin, mehr oder weniger nachvollziehbar.

 

Der Name ist geblieben, das Hotel Hirschen steht immer noch am Hirschenplatz. Nach etlichen Besitzerwechseln, scheint das Hotel Hirschen seine Mitte gefunden. Dieselben Mauern in denen Musikgeschichte geschrieben wurde, stehen also unverändert (der Gebährsaal des HeavyMetal). Musik wird keine mehr gespielt, die Bar ist einer freundlichen kleinen Reception gewichen, aber das Monument steht. Mit dem Wissen um die musikhistorische Bedeutung, ist es schwierig zu verstehen, dass nur der Star-Club in Hamburg Besucherströme hat und nicht ebenso Heerscharen an Fans nach Zürich auf den Hirschenplatz pilgern. Woran es liegt? Bis anhin hat noch niemand diese Fakten zusammengetragen.

 

 

            Rock’n’Roll Hall of Fame

Black Sabbath sind inzwischen in der Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen. Ruhm und Ehre brandet Ihnen durch die letzten Jahrzehnte des Rock entgegen, gelten Sie doch als Vorreiter eines ganzen Genres.

Sie sind in die Annalen der Musikgeschichte eingegangen. Querbeetein beruft sich jede Band mit verzerrten elektrischen Gitarren auf die eine oder andere Weise auf Black Sabbath.

Den prägenden Effekt den dabei die in Zürich gezeugten, entstandenen und geborenen Klassiker an Hard-Rock und Heavy-Metal-Songs haben, wird mit immer grösserem Abstand bedeutender und imposanter. 

Induction to UK Music Hall of Fame 2005

Induction to Rock and Roll Hall of Fame

 

 

03.02.1984 

Ist es nicht bezeichnend für diesen gewichtigen Teil der HeavyMetal-Geschichte, dass eine der weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Metalbands aller Zeiten, die sich aus der Masse der durch Black Sabbath ins Rollen gebrachten Lawine entwickelte, Ihren ersten Auftritt in Europa in Zürich hatte? Jene Band, welche die Laudatio für Black Sabbath zur Aufnahme in die Ruhmeshalle des Rock'n'Roll hielten!

Im Volkshaus Zürich beginnt am 03.02.1984 die "Seven Dates of Hell Tour" des Headliners "Venom", einer bis dato bekannten britischen NWOBHM-Band. Als Vorband hat man eine vielversprechende junge Band aus San Francisco im Schlepptau. Der Name der Vorband, die an diesem dritten Februar 1984 ihr erstes Konzert ausserhalb der USA gab: Metallica. 

 

11.11.11

Irgendwann im Oktober 2011 machte in der digitalen Welt die Nachricht die Runde, dass Black Sabbath Ihre erste offizielle Homepage aufgeschaltet hätten. Darauf waren einzig die Zahlen 11.11.11 zu lesen.

Die Fan-Foren platzten aus allen Nähten und die Gerüchteküche siedete über.

Die kühnsten Träume welche genannt wurden, sollten sich dann bewahrheiten, als Black Sabbath am 11.11.11 anlässlich einer Pressekonferenz in Los Angeles bekannt gaben, dass Sie sich wieder zusammengetan hätten und darüber hinaus mit Rick Rubin als Produzenten ein neues Studioalbum einspielen würden.

Das letzte Studioalbum in dieser Formation, wurde 1978 eingespielt.

Rick Rubin war nicht nur für den Autor dieser Zeilen, ein Wunschtraum, würde es jemals zu einem weiteren Sabbath-Album kommen. Er ist ein Garant dafür, aus jeder Band das Beste herauszuholen – auf sein Konto geht das grosse Comeback von Johnny Cash oder das legendäre Slayer-Album Reign in Blood.

In einem Interview mit dem NME im Juni 2012 gaben Black Sabbath zu Protokoll, Rick Rubin habe Ihnen zu Beginn der Aufnahmen zum neuen Album, die ganze erste Black Sabbath LP vorgespielt und danach gemeint „Stellt Euch vor, Ihr hättet gerade eben dieses Album eingespielt – was würdet Ihr als nächstes tun!?“. Nun, defacto: nach Zürich reisen, dort im Hirschen Club unter besten kreativen Voraussetzungen sechs Wochen lang 200 Stunden lang live vor Publikum spielen... Natürlich zielt der Produzent Rick Rubin darauf, den jugendlichen Leichtsinn zu revitalisieren, der Black Sabbath in diesen Momenten auszeichnete und Ihnen eine absolute kreative Freiheit ermöglichte.

Man könnte meinen, Rick Rubin wüsste um diese Geschehnisse 1969 Bescheid – aber wie sollte er auch, nirgends ist diese doch so grundlegende Geschichte der Rockmusik zusammengetragen worden, geschweige denn als das wahrgenommen, was es ist: musikhistorisch monumentale Ereignisse.